Amt­li­cher Sozi­al­be­trug

An die Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld II und Grund­si­che­rung im Alter! Sofort Über­prü­fungs­ans­trag stel­len!

Skulpturengruppe vor Jobcenter.

An die Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld II
und Grund­si­che­rung im Alter!

Sofort Über­prü­fungs­an­trag stel­len!

Bezie­hen sie Grund­si­che­rung oder Arbeits­lo­sen­geld II? Wenn ja, dann prü­fen Sie sofort, ob ihre Warm­was­ser­kos­ten mit­tels Durch­lauf­er­hit­zer voll­stän­dig über­nom­men wer­den! Wenn nein, dann den Antrag aus­fül­len und direkt ins Kreis­haus brin­gen oder per Post schi­cken. Per Fax geht auch! Und die Unter­schrift nicht ver­ges­sen.

Fax-Nr. des Krei­ses Düren: 0 24 21 / 22 20 20

Wich­tig: Anträ­ge kön­nen auch an das zustän­di­ge Job-Cen­ter in Jülich, bzw. das für Sie zustän­di­ge Grund­si­che­rungs­amt gestellt wer­den!

Der Sozi­al­be­trug geht wei­ter!

Der Kreis Düren bescheißt die Bezie­her von Grund­si­che­rung im Alter und Arbeits­lo­sen­geld II. Beson­ders betrof­fen von der unso­zia­len Vor­ge­hens­wei­se: Kin­der, Rent­ner, Kran­ke und Behin­der­te.

Eigent­lich ist das Sozi­al­ge­setz­buch (SGB) die Geset­zes­grund­la­ge der Sozi­al­äm­ter und Job-Cen­ter, auch im Kreis Düren. Und bun­des­weit haben sich alle Sachbearbeiter/innen an das Sozi­al­ge­setz­buch II bzw. XII zu hal­ten. Dar­in ent­hal­ten, die Richt­li­ni­en zur Siche­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums Bedürf­ti­ger und ihrer Fami­lie.

Was aller­dings die Wenigs­ten wis­sen, die Vor­ga­ben der Bun­des­re­gie­rung wer­den auch immer wie­der unter­lau­fen. Ein wun­der­ba­res Bei­spiel, sind die Kos­ten für die dezen­tra­le Warm­was­ser­be­rei­tung.

Betrof­fen hier­von, 30 % der Bezie­her von Grund­si­che­rung und Arbeits­lo­sen­geld II, also ca. 4.000 Bedarfs­ge­mein­schaf­ten im Kreis Düren. Denn seit Janu­ar 2011, sind die tat­säch­li­chen Kos­ten für die dezen­tra­le Warm­was­ser­er­zeu­gung voll­stän­dig zu über­neh­men.

Wer bis­her glaub­te, dass Sozi­al­äm­ter und Job-Cen­ter nach Recht und Gesetz han­deln, muss­te fest­stel­len, dass selbst das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les (BMAS) ahnungs­los war. Wäh­rend die Kos­ten für die zen­tra­le Warm­was­ser­be­rei­tung meist voll­stän­dig über­nom­men wer­den, zahlt man bei der dezen­tra­len Warm­was­ser­be­rei­tung seit 2011 nur einen pau­scha­len Min­dest­be­trag, abhän­gig­von von der Regel­satz­hö­he.

Hier die aktu­el­le Tabel­le:

Min­dest­pau­scha­le für dezen­tra­le Warm­was­ser­be­rei­tung 2020/2019

Regel­bedarf Wer? Pro­zent­satz Pau­scha­le 
 432 €Voll­jäh­ri­ge / Allein­stehende 2,30% 9,94 € (9,75 € bis 2019)
 389 €voll­jäh­ri­ge Part­ner der Bedarfs­ge­mein­schaft 2,30% 8,79 € (8,79 € bis 2019)
 345 €Voll­jäh­ri­ge unter 25 Jah­ren 2,30% 7,94 € (7,80 € bis 2019)
 328 € Kin­der 15 – 18 Jah­re 1,40% 4,60 € (4,51 € bis 2019)
 308 €Kin­der 7 – 14 Jah­re 1,20% 3,70 € (3,62 € bis 2019)
 250 €Kin­der 0 – 6 Jah­re 0,80% 2,00 € (1,96 € bis 2019)


Abhän­gig von der Höhe des Regel­sat­zes, erhal­ten Ehe­paa­re 10 Pro­zent weni­ger als Allein­ste­hen­de. Kin­der und Jugend­li­che sind beson­ders benach­tei­ligt. Sie erhal­ten nur einen Bruch­teil der Pau­scha­le eines Allein­ste­hen­den, obwohl sie beim Duschen die glei­che Men­ge Warm­was­ser eines Erwach­se­nen ver­brau­chen.

Im SGB II, § 21, Absatz 7, heißt es dazu:

«Bei Leis­tungs­be­rech­tig­ten wird ein Mehr­be­darf aner­kannt, soweit Warm­was­ser durch die in der Unter­kunft instal­lier­te Vor­rich­tun­gen (dezen­tra­le Warm­was­ser­er­zeu­gung) erzeugt wird … soweit nicht im Ein­zel­fall ein abwei­chen­der Bedarf besteht oder ein Teil des ange­mes­se­nen Warm­was­ser­be­darfs nach § 22 Absatz 1 aner­kannt wird.»

Im SGB II, § 22,Absatz 1 heißt es:

«(1) Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung wer­den in Höhe der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen aner­kannt, soweit die­se ange­mes­sen sind.»

Und im SGB XII, § 30, Absatz 7, heißt es:

«(7) Für Leis­tungs­be­rech­tig­te wird ein Mehr­be­darf aner­kannt, soweit Warm­was­ser durch in der Unter­kunft instal­lier­te Vor­rich­tun­gen erzeugt wird (dezen­tra­le Warm­was­ser­er­zeu­gung) und denen des­halb kei­ne Leis­tun­gen für Warm­was­ser nach § 35 Absatz 4 erbracht wer­den. … soweit nicht im Ein­zel­fall ein abwei­chen­der Bedarf besteht oder ein Teil des ange­mes­se­nen Warm­was­ser­be­darfs durch Leis­tun­gen nach § 35 Absatz 4 gedeckt wird.»

Im SGB XII, § 35, Absatz 4, Satz 1, heißt es dazu:

«(4) 1 Bedar­fe für Hei­zung und zen­tra­le Warm­was­ser­ver­sor­gung wer­den in tat­säch­li­cher Höhe aner­kannt, soweit sie ange­mes­sen sind.»

Neben dem Kreis Düren, pro­fi­tie­ren von die­sem amt­li­chen Sozi­al­be­trug die Kom­mu­nen im Kreis Düren. Denn sie müs­sen weni­ger Geld bei der Kreis­um­la­ge abfüh­ren.

3,3 Mio. Euro waren das seit 2011. Wie man sieht, ein ein­träg­li­ches Geschäft dem die Mit­ar­bei­ter von Job-Com und Sozi­al­amt so nach­ge­hen.

Laut Urteil – L 10 AS 584/15 – des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Meck­len­burg-Vor­pom­mern, v. 28.01.2020, ist näm­lich der tat­säch­li­che Ver­brauch für die dezen­tra­le Warm­was­ser­be­rei­tung zu berück­sich­ti­gen. Dem­nach waren bereits 2014 für eine Per­son 900 kWh Strom für einen elek­tri­schen Durch­lauf­er­hit­zer ange­mes­sen, bzw. es wur­den im Urteil 1285,71 kWh Gas für einen Gas­durch­lauf­er­hit­zer aner­kannt. Die Frau erhielt 17,66 Euro im Monat nur für den Gas­durch­lauf­er­hit­zer. Bei 0,32 Euro je kWh Strom wären das 288 Euro im Jahr, statt bis­her 117 Euro.

Hier­durch ist das Exis­tenz­mi­ni­mum in vie­len Haus­hal­ten deut­lich unter­schrit­ten.

Es genügt also nicht, einen pau­scha­len Min­dest­be­trag zwi­schen 9,75 Euro und 1,96 Euro monat­lich zu zahlen,der sich am Regel­satz errech­net, von dem Erwach­se­ne, nur alle zwei Tage duschen kön­nen, bzw. Kin­der bis 6 Jah­re, nur ein­mal in der Woche.

Fau­le Aus­re­de:
Ener­gie­ver­brauch ist nicht mess­bar

Trotz Geset­zes­grund­la­ge (sie­he SGB II und SGB XII) wird eine Zah­lung der tat­säch­li­chen Kos­ten von den Job-Cen­tern seit 2011 immer wie­der abge­lehnt. Obwohl gesetz­lich dazu ver­pflich­tet, erklär­te man bun­des­weit, der Ener­gie­ver­brauch sei nicht mess­bar, weil kein geson­der­ter Ver­brauchs­zäh­ler vor­han­den sei und lehn­te somit eine Über­nah­me der Kos­ten ab.

Dass es kei­ner geson­der­ten Mess­ein­rich­tung für den Strom- bzw. Gas­ver­brauch der dezen­tra­len Warm­was­ser­be­rei­tung bedarf und dass eine Ver­rech­nung mit der Regel­leis­tung rechts­wid­rig ist, hat­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits im Urteil B 14 AS 6/17v. 07.12.2017 fest­ge­stellt.

Im Urteil, Absatz 25, heißt es: «Die Aner­ken­nung eines abwei­chen­den Warm­was­ser­mehr­be­darfs setzt ent­ge­gen der Auf­fas­sung des LSG kei­ne sepa­ra­te Ver­brauchs­er­fas­sung durch tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen wie z.B. einen Ver­brauchs­zäh­ler vor­aus.»

https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=07.12.2017&Aktenzeichen=B%2014%20AS%206%2F17%20R

Eine Ver­rech­nung mit dem Regel­be­darf ist rechts­wid­rig!

Die Kos­ten für die Warm­was­ser­be­rei­tung gehö­ren zu den Kos­ten der Unter­kunft und sind nicht mit dem Anteil für Haus­halts­strom aus der Regel­leis­tung zu ver­rech­nen. Die von den Trä­gern der Grund­si­che­rung, bzw. Job-Cen­tern, eigen­mäch­tig vor­ge­nom­me­ne Ver­rech­nung, der Kos­ten für die Warm­was­ser­be­rei­tung mit dem Regel­be­darf, stellt daher einen unzu­läs­si­gen Ein­griff in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Leis­tungs­be­rech­tig­ten dar.

Zur nähe­ren Erläu­te­rung, hier eine Erklä­rung der Bun­des­agen­tur für Arbeit:

Regel­be­darf

«Der Regel­be­darf zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts umfasst ins­be­son­de­re Ernäh­rung, Klei­dung, Kör­per­pfle­ge, Haus­rat, Haus­halts­ener­gie ohne die auf die Hei­zung und Erzeu­gung von Warm­was­ser ent­fal­le­nen Antei­le sowie Bedar­fe zur Teil­nah­me am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft (das sog. sozio-kul­tu­rel­le Exis­tenz­mi­ni­mum). Der Regel­be­darf wird als monat­li­cher Pau­schal­be­trag berück­sich­tigt, über des­sen Ver­wen­dung der Leis­tungs­be­rech­tig­te eigen­ver­ant­wort­lich ent­schei­det. Neben regel­mä­ßig anfal­len­den Bedar­fen u.a. für Lebens­mit­tel sind auch unre­gel­mä­ßig anfal­len­de Bedar­fe für Beklei­dung aus dem Regel­be­darf zu decken.»

Quel­le:
https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsmarkt/Grundsicherung/Leistungen-zur-Sicherung-des-Lebensunterhalts/2‑teaser-artikelseite-arbeitslosengeld-2-sozialgeld.html

Dass eine Ver­rech­nung mit der Regel­leis­tung rechts­wid­rig ist, hat­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits im Urteil B 14 AS 6/17 v. 07.12.2017 fest­ge­stellt. Im Urteil, Absatz 18, heißt es: «… es sind des­halb weder bei zen­tra­ler noch bei dezen­tra­ler Ver­sor­gung Antei­le des Regel­be­darfs für die Warm­was­ser­er­zeu­gung
ein­zu­set­zen.»

https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=07.12.2017&Aktenzeichen=B%2014%20AS%206%2F17%20R

Text: Hei­ner
Foto: Job­cen­ter Gos­lar, Skulp­tu­ren­grup­pe.
Von  Raba­nus Fla­vus – Eige­nes Werk, CC0,


Antrag, pdf und doc